Parable: Das Haus der aufgehenden Sonne/ The House of the Rising Sun

Du gehst und gehst, wagst dich hervor, dringst ein in ein Gebäude, läufst um Wände herum, durch Räume, offene, halboffene. Du gehst immer weiter hinein, bis du in einen Raum trittst, der dir gefällt.
Nach einer Weile fällt dir auf, dass eine Wand des Raums aus nicht ganz undurchsichtigem Glas ist, von wo aus du einen Teil der Strecke siehst, den du zurückgelegt hast. Dabei siehst du nicht nur einen zusammenhängenden Teil sondern die vielen Gänge und Stöcke übereinander geschichtet und eigentümlich versetzt.
Irgendwann entscheidest du dich, wieder an einige der Stellen zurückzukehren aber irgendwie kommst du nicht aus dem Raum heraus, in dem du bist, wobei er doch eigentlich gar keine Tür hatte sondern nur einen Korridor, der hereinführte. Nachdem du erst einmal herausgefunden hast, läufst du immer hastiger werdend duch Gänge, Korridore, prachtvolle Säle mit hohen Decken, durch paradiesische Wintergärten, an reizenden Frauen und glücklichen Kindern vorbei, bis du am Ende eines langen Durchgangs vor einer Tür stehst, die du öffnen musst. Du öffnest sie und wirst augenblicklich von Dunkelheit verschluckt. In der vollkommenen Schwärze erinnerst du dich an deine gegangenen Wege und merkst, dass du eigentlich auch die Stellen passiert hast, die du durch die Glaswand gesehen hattest. In jenem Moment warst du aber so überhastet, dass du es nicht begriffst.
Voll des Überdrusses, bar jeglicher Hoffnung aber auch ohne Furcht knüllst du dein Gedächtnis und deine Sehnsucht zusammen und schleuderst sie wie einen glühenden Ball ins pechschwarze Nichts.

© Hakan Özkan


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